Grundlage

Die Mechanismen des Gehirns arbeiten nach den Prinzipien der Neuroplastizität. Diese allgemeingültige wissenschaftliche Erkenntnis beweist, dass sich die Hirnstruktur des Menschen über das gesamte Leben hinweg verändern kann. Neuronale Verknüpfungen können sich voneinander lösen, während neue Verknüpfungen geschaffen werden. Synapsen, Nervenzellen und ganze Gehirnareale verändern ihre Struktur und Funktion in Abhängigkeit von ihrem Gebrauch („Use it or loose it“).
Das menschliche Verhalten, Denken und Lernen ist demnach flexibel veränderbar.

Schädliche Verhaltens- und Denkmuster sind für den Menschen aktiv nur schwer zu beeinflussen. Das Paradoxon „Denken Sie nicht an den rosa Elefanten“ veranschaulicht die Schwierigkeit einer bewussten Verhaltensänderung. Das Neurofeedbackverfahren bietet die Möglichkeit, konkrete Informationen über die Gehirnaktivität der Klienten zu erhalten und im Folgenden eine Hilfestellung zur gesundheitsförderlichen Umstrukturierung zu geben. 


The mechanisms of the brain work according to the principles of neuroplasticity. This general scientific finding proves that human brain structure can change throughout life. Neural connections can break apart while new connections are being created. Synapses, nerve cells and entire areas of the brain change their structure and function depending on their use (“Use it or lose it”). Human behavior, thinking and learning can therefore be changed flexibly. 

Harmful behavior and thought patterns are difficult for people to actively influence. The “Don’t think about the pink elephant” paradox illustrates the difficulty of conscious behavior change. The neurofeedback process offers the opportunity to obtain concrete information about the client's brain activity and to subsequently provide assistance with health-promoting restructuring.

Anwendungsgebiete / Areas of application

Neurofeedback findet Anwendung in folgenden Bereichen:

-Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
-Impulskontrollschwäche
-Angstproblematiken
-Depressive Verstimmungen
-Lernschwäche
-Kopfschmerzen / Migräne
-Schlafbeschwerden
-Suchtaffinität
-Körperwahrnehmungsbeschwerden

 

Neurofeedback is used in the following areas:

-Attention difficulties
-Impulse control weakness
-Anxiety problems
-Depressive moods
-Learning disability
-Headaches/migraines
-Difficulty sleeping
-Addiction affinity
-Body perception problems 

Neurofeedback und Beratung bei AD(H)S


Das Konzept Neurofeedback und Beratung zu kombinieren zielt darauf ab, Menschen mit Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) einen konstruktiven Umgang mit alltäglichen Belastungen zu vermitteln.

Eine konkrete Aufklärung zum Störungsbild (Krankheitsverständnis), ein gezieltes Neurofeedback-Training, und die Ausarbeitung anerkannter Arbeitsmaterialien sind die Grundbausteine der Behandlung. Über die individuell angepasste Strukturierung des Alltags sollen notwendige Arbeitsaufträge besser vorherzusehen sein und Verhaltensabläufe kontrolliert werden. Das Ziel ist es Ressourcen hervorzuheben und ein Empfinden für eine gezielte Verhaltenskontrolle zu entwickeln - dies schult die Selbstwahrnehmung und verweist auf die positive Kraft der Selbstwirksamkeit. 

 Neurofeedback and advice for AD(H)D 

 
The concept of combining neurofeedback and counseling aims to help people with symptoms of attention deficit hyperactivity disorder (AD(H)D) deal constructively with everyday stress. 


A concrete explanation of the disorder (understanding of the disease), targeted neurofeedback training, and the development of recognized working materials are the basic building blocks of the treatment. Through the individually adapted structuring of everyday life, necessary work assignments should be easier to predict and behavioral processes can be controlled. The goal is to highlight resources and develop a sense of targeted behavior control - this trains self-awareness and points to the positive power of self-efficacy.

AD(H)S

AD(H)S repräsentiert eine Diagnosestellung, die im Rahmen von deutlichen Beeinträchtigungen in der Verhaltens- und Funktionssteuerung von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen vergeben wird. Die Betroffenen berichten von erheblichen Problemen bei der Alltagsbewältigung, in der Schule, im Beruf oder in sozialen Bereichen. Grundsätzlich wird zwischen Auffälligkeiten in den folgenden drei Kernbereichen differenziert:

  • Hyperaktivität: übersteigerter Bewegungsdrang, insbesondere mit Unfähigkeit, stillsitzen zu können
  • Unaufmerksamkeit: gestörte Konzentrationsfähigkeit mit Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden 
  • Impulsivität: unüberlegtes Handeln z. B. mit abrupten motorischen und/oder verbalen Aktionen, die nicht in den sozialen Kontext passen

 

Für die Entstehung von ADHS sei laut aktueller Forschungslage von einem Zusammenspiel aus bestimmten genetischen (neurobiologischen) und psychosozialen Faktoren auszugehen. 


Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S), gilt als die in Deutschland am häufigsten vorkommende psychische Auffälligkeit bei Kindern und Jugendlichen und kann bis in das hohe Erwachsenenalter eine große Herausforderung im Alltag der Betroffenen darstellen. Forscher gehen davon aus, dass etwa 3-5% aller Kinder / Jugendlichen in Deutschland eine AD(H)S-Diagnose gestellt bekommen. Etwa 60% der Betroffenen fühlen sich noch im Erwachsenenalter durch gewisse Besonderheiten belastet. 

Nicht jede von den Symptomen beeinträchtigte Person erhält eine Diagnosestellung. Es kann vorkommen, dass ähnliche Auffälligkeiten in abgeschwächter oder abgeänderter Form ebenfalls negative Auswirkungen auf die Bewältigung des Alltags haben (bspw. sozial-emotionale Verhaltensschwierigkeiten). Bleiben diese Symptome unbehandelt, können ernstzunehmende Belastungen für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld (Schulschwierigkeiten, familiäre Probleme, ein erhöhtes Suchtverhalten etc.) die Folge sein. 

Ein ganzheitliches Behandlungsmodell, dass sich aus den Bausteinen der Aufklärung / Beratung und einer speziellen, individuell kombinierten Behandlung (psychologische Beratung, psychotherapeutische Therapie, und im Einzelfall eine ärztliche, medikamentöse Therapie) und eine ausgeprägte Behandlungsmotivation der Betroffenen zusammensetzt, verspricht die besten Erfolge auf eine langfristige Besserung der Symptome. 

ADHD

AD(H)D represents a diagnosis that is given in the context of significant impairments in the behavior and functional control of children, adolescents or adults. Those affected report significant problems in coping with everyday life, at school, at work or in social areas. Basically, a distinction is made between abnormalities in the following three core areas:

  • Hyperactivity: excessive urge to move, especially with an inability to sit still
  • Inattention: impaired ability to concentrate with lack of perseverance in activities and a tendency to change activities before they have been completed 
  • Impulsivity: rash actions e.g. B. with abrupt motor and/or verbal actions that do not fit into the social context

 
According to current research, the development of ADHD can be assumed to involve an interaction between certain genetic (neurobiological) and psychosocial factors. 

Attention deficit hyperactivity disorder (AD(H)D) is considered to be the most common psychological disorder among children and adolescents in Germany and can represent a major challenge in the everyday lives of those affected well into adulthood. Researchers assume that around 3-5% of all children/adolescents in Germany receive a diagnosis of ADHD. Around 60% of those affected still feel burdened by certain peculiarities in adulthood. 
Not every person affected by the symptoms receives a diagnosis. It may happen that similar abnormalities, in a weakened or modified form, also have negative effects on coping with everyday life (e.g. social-emotional behavioral difficulties). If these symptoms remain untreated, serious stress can result for those affected and their social environment (difficulties at school, family problems, increased addictive behavior, etc.). 
A holistic treatment model that consists of the building blocks of education/advice and a special, individually combined treatment (psychological counseling, psychotherapeutic therapy, and in individual cases medical, drug therapy) and a strong motivation for treatment on the part of those affected promises the best success in long-term improvement of the symptoms.

 

Historie 


Erste Nachweise zur Ableitung elektrischer Hirnaktivität bei Tieren, verzeichnete der englische Physiker Richard Caton im Jahre 1875 mit Hilfe eines Galvanometer an der Hirnoberfläche angebrachten Elektroden. Er stellte erstmals eine Verbindung zwischen elektrischen Spannungen an der Ableitstelle und der Funktion der betrachteten Hirnareale her (Yamada & Meng, 2012). Hans Berger, ein deutscher Psychiater, weitete 1929 die neurophysiologische Forschung an Tieren auf den Menschen aus. Mittels Elektroenzephalogramm (EEG) verstärkte Berger die neuronalen Signale und machte die Hirnströme seiner Klienten auf Papier sichtbar. Dabei gelang es ihm Aufnahmen von oszillatorischen Potentialen im 10 Hertz (HZ) Bereich festzuhalten, die er als „Alpha-Rhythmus“ beschrieb. Es stellte sich heraus, dass diese Frequenzen speziell bei Personen im Wachzustand zu finden sind, wenn ihre Augen geschlossen waren. Bis heute wurde der sogenannte Alpha-Rhythmus, auch „Berger-Rhythmus“ genannt, vielfach erforscht und in seiner Funktion als „Ruhefrequenz“ bestätigt.

Wenige Jahre später erkannte man, dass gewisse Störungs- und Krankheitsbilder beim Menschen mit stabilen Auffälligkeiten in den abgeleiteten EEG-Kurven in Verbindung gebracht werden können. 1935 gelang es Gibbs, Davis und Lenox das Auftreten von 3 Hz Spitzen-Wellen mit der Absence-Epilepsie in einen wissenschaftlich geprüften Zusammenhang zu bringen. Ein Jahr später fand Herbert Jasper heraus, dass die EEG-Aufnahmen von Menschen mit einer fokalen Epilepsie, einheitliche spitze und steile Wellenausschläge aufzeigen. Im selben Jahr (1936) zeigte Walter, dass das betroffene Areal eines Patienten mit einem seitlichen Hirntumor durch ein eindeutig verlangsamtes EEG-Signal zu erkennen ist. Mit Befunden dieser Art wurde deutlich, welche Relevanz der Einsatz des EEG in der neurowissenschaftlichen Forschung und im klinischen Bereich zukünftig haben sollte. 

Ende der 50er Jahre beschäftigten sich Joe Kamiya und Berry Sterman mit dem Belohnungsprinzip, der operanten Konditionierung, im neuropsychologischen Bereich. Sie fanden heraus, dass sowohl Tiere als auch Menschen ihre eigene Hirnaktivität durch das Verlangen nach Belohnung beeinflussen können. Ein Experiment von Sterman in den 60er Jahren bewies, dass Katzen in der Lage waren den eigenen Muskeltonus durch ein belohnendes Frequenzbandtraining des Sensomotorischen Rhythmus (SMR 12-15 Hz) herunterzuregulieren (Wyrwicka & Sterman, 1968; Sterman, Wyrwicka & Roth, 1969). Sterman schloss aus dem Ergebnis, dass es auch Menschen mit Epilepsie möglich sein könnte, durch gezieltes Training des Sensomotorischen Rhythmus, die Anfallhäufigkeit gezielt zu reduzieren. Den Nachweis für diese Annahme lieferten Sterman & Friar im Jahr 1972. Erkenntnisse wie diese bildeten die Basis für Neurofeedback. 

Verschiedene Forschungsdesigns und Meta-Studien zeigen, dass ein wissenschaftlich fundiertes Neurofeedbacktraining gesundheitsförderliche Auswirkungen auf den Menschen hat (bspw. Van Doren, Arns, Heinrich, Vollebregt, Strehl & K Loo, 2019). 


History

 

The English physicist Richard Caton recorded the first evidence of the recording of electrical brain activity in animals in 1875 using electrodes attached to the surface of the brain with the help of a galvanometer. He was the first to establish a connection between electrical voltages at the recording point and the function of the brain areas under consideration (Yamada & Meng, 2012). Hans Berger, a German psychiatrist, extended neurophysiological research on animals to humans in 1929. Using an electroencephalogram (EEG), Berger amplified the neuronal signals and made his clients' brain waves visible on paper. He managed to capture recordings of oscillatory potentials in the 10 Hertz (HZ) range, which he described as an “alpha rhythm”. It turns out that these frequencies are found specifically in people when they are awake, when their eyes are closed. To date, the so-called alpha rhythm, also known as the “Berger rhythm”, has been widely researched and confirmed in its function as a “resting frequency”. 

A few years later it was recognized that certain disorders and illnesses in humans can be associated with stable abnormalities in the derived EEG curves. In 1935, Gibbs, Davis and Lenox succeeded in bringing the occurrence of 3 Hz peak waves and absence epilepsy into a scientifically proven connection. A year later, Herbert Jasper found that the EEG recordings of people with focal epilepsy showed uniform sharp and steep wave deflections. In the same year (1936), Walter showed that the affected area of ​​a patient with a lateral brain tumor could be identified by a clearly slowed EEG signal. Findings of this kind made it clear what relevance the use of EEG should have in neuroscientific research and clinical areas in the future. 
 

At the end of the 1950s, Joe Kamiya and Berry Sterman worked on the reward principle, operant conditioning, in the neuropsychological field. They found that both animals and humans can influence their own brain activity through the desire for reward. An experiment by Sterman in the 1960s proved that cats were able to downregulate their own muscle tone through rewarding frequency band training of the sensorimotor rhythm (SMR 12-15 Hz) (Wyrwicka & Sterman, 1968; Sterman, Wyrwicka & Roth, 1969). Sterman concluded from the result that it might also be possible for people with epilepsy to specifically reduce the frequency of seizures through targeted training of the sensorimotor rhythm. Sterman & Friar provided proof of this assumption in 1972. Findings like these formed the basis for neurofeedback. 
 

Various research designs and meta-studies show that scientifically based neurofeedback training has health-promoting effects on people (e.g. Van Doren, Arns, Heinrich, Vollebregt, Strehl & K Loo, 2019).