Methode
Um die elektrische Hirnaktivität messen und auf einem Bildschirm in Echtzeit wiedergeben zu können, werden Elektroden nach dem 10-20-System (Jaspers, 1958) auf der Kopfoberfläche und an den Ohren (Ground und Referenz) mit einer leitenden Paste befestigt. Mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) und einer Computer-Analyse-Software werden die erfassten Signale in ihre einzelnen Frequenzbereiche zerteilt und auf einen Bildschirm übertragen. Die ermittelte Frequenzverteilung beschreibt den Aufmerksamkeits- bzw. Bewusstseinszustand der Klientinnen und Klienten und ist entscheidend für den Trainingsablauf. In Abhängigkeit von der Aktivität bestimmter Frequenzen in unterschiedlichen Gehirnarealen werden den Klientinnen und Klienten entsprechende Bewusstseinszustände zugeschrieben:
Delta (1-3 Hz): Tiefschlaf
Theta (4-7 Hz): Schläfrigkeit
Alpha (8-12 Hz): Unaufmerksam, entspannt, wach
SMR (12-15 Hz): Motorisch ruhig fokussiert, aufmerksam
Low-beta (15-20 Hz): Wach fokussiert, konzentriert
High-Beta (20-30 Hz): Anspannung
(Quelle: Haus,K.-M., Held, C., Kowalski, A., Krombholz, A., Nowak, M., Schneider, E., Strauß, G., Wiedemann, M. (2016). Praxisbuch Biofeedback und Neurofeedback. Springer.)
Während des Trainings wird der Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand der Gehirnaktivität verglichen. Ist ein spezifischer Frequenzbereich unter- bzw. überaktiviert, so erhalten die Klientinnen und Klienten sofortige Rückmeldung über eine kurze Unterbrechung des präsentierten Stimulus (auditiv/visuell), damit eine Veränderung durch Belohnung vollzogen werden kann (Operante Konditionierung). Meist werden Videos, Musikstücke oder Videospiele als attraktive Stimuli in den Trainings eingesetzt. Mit dem Ziel den Stimulus ohne lange Unterbrechungen wahrzunehmen, gewöhnt sich das Gehirn sukzessive an den neuen, erwünschten Aktivitätszustand der angesprochenen Hirnareale. Jeder Mensch hat einen eigenen Mechanismus die Aktivitätszustände des Gehirns zu beeinflussen – meist kann dieser jedoch zu Beginn des Trainings nicht bewusst wahrgenommen werden. Hier gilt es geduldig mit sich selbst zu bleiben und aufmerksam für kleine Veränderungen zu sein.
Sowohl die Eingangsanamnese, die Verlaufsdiagnostik, als auch die Aktivitätsverteilung der einzelnen Frequenzbänder geben Aufschluss über aktuelle Auffälligkeiten in der Gehirnaktivität und die Symptom-Veränderungen im Trainingsverlauf.